Das war 2026:
Allianzvertrag in der Praxis: Das neue ÖBV-Merkblatt gibt Orientierung
Am 22. und 23. Oktober stand im Tech Gate Vienna die praktische Umsetzung partnerschaftlicher Projektmodelle im Mittelpunkt. Die 7. Jahresveranstaltung „Partnerschaft mit Baupraxis“ von ÖBV und Heid & Partner als Mitveranstalter verband Erfahrungen mit IPA-, Allianz- und ECI-Modellen aus dem D-A-CH-Raum mit konkreten Hilfestellungen für die nächsten Projekte. Einen Schwerpunkt bildete das neue ÖBV-Merkblatt „Allianzvertrag: Infrastruktur – Empfehlungen zur Vergabe und Ausführung“.

Vom Erfahrungsaustausch zur praktischen Orientierung
Was bei der Veranstaltung 2025 noch angekündigt worden war, liegt seit April 2026 vor: das ÖBV-Merkblatt „Allianzvertrag: Infrastruktur – Empfehlungen zur Vergabe und Ausführung“. Gerald Zwittnig (ÖBB-Infrastruktur AG) und Markus Frühwirth (ASFINAG) stellten im Vortrag vor, wie die Erfahrungen aus der Projektpraxis in Empfehlungen für die Vergabe und Ausführung von Allianzverträgen eingeflossen sind.
Das Merkblatt richtet sich insbesondere an Auftraggeber, die ein Infrastrukturprojekt mit einem Allianzvertrag umsetzen möchten. Auch Bauunternehmen, Planer und weitere Projektbeteiligte erhalten einen Überblick über die Funktionsweise des Modells. Behandelt werden Zielkosten, Risikozuordnung und Bonus-Malus-Systeme ebenso wie die Auswahl des Projektpartners, die Bindung des Schlüsselpersonals und die Einbindung von Planern und ÖBA. Für die Ausführung gibt es Empfehlungen zum Kostennachweis und zur Open-Book-Abrechnung sowie zur Fortschreibung der Zielkosten und Zieltermine. Ein Vergleich mit der Integrierten Projektabwicklung (IPA) ordnet die Unterschiede der Modelle ein.
Der Vortrag machte dabei deutlich, worauf es bei der Anwendung ankommt: Anreizsysteme sollen einfach, transparent und ausgewogen sein; der Aufwand für Vergabe und Dokumentation soll in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen. Das Merkblatt bietet dafür Orientierung und bildet den Erfahrungsstand ab. Die Empfehlungen sind auf die Anforderungen des jeweiligen Projekts abzustimmen.
Ergänzend ist seit April 2026 die zweite Überarbeitung des ÖBV-Merkblatts „Alternative Vergabe- und Vertragsmodelle“ verfügbar. Es unterstützt die Einordnung eines Projekts und die Auswahl eines geeigneten Abwicklungsmodells. Beide Publikationen machen die gemeinsam erarbeiteten Erfahrungen für künftige Bauvorhaben nutzbar.
Zum ÖBV-Merkblatt Allianzvertrag InfrastrukturFrühe Einbindung in der Projektpraxis
Die frühe Einbindung der Ausführenden wurde anhand zweier Hochbauprojekte greifbar: Lucas Kluger (BIG) und Hannes Geiger (Pittel+Brausewetter) berichteten über die termingerecht übergebene Sanierung Vordere Zollamtsstraße 3. Die Erfahrungen reichten von der Kanalführung über die Abstimmung mit der Denkmalpflege bis zur Vorfertigung im Dachgeschoß. Beim Ordensklinikum Linz zeigten Bernhard Reininger und Martina Windbichler, wie eine gemeinsame Partneringphase der Hauptgewerke Schnittstellen klärt und die Grundlage für das finale Angebot schafft.
Das Gesamtprojekt als gemeinsames Ziel
Christiane Schiavinato, Markus Höhndorf und Daniel Deutschmann stellten die Modernisierung Tauerntunnel, Etappe 2, vor. Eine gewerkeübergreifende Bonus-Vereinbarung soll dort die gemeinsame Verantwortung für die rechtzeitige Wiederinbetriebnahme stärken. Auch die Vergabestrategie der Regional-Stadtbahn der Schiene OÖ verbindet ECI mit einer übergeordneten Zusammenarbeit der wesentlichen Projektpartner. Der VERBUND-Erkundungsstollen Schaufelberg ergänzte den Überblick über österreichische Allianzprojekte.
Aus Deutschland kamen Einblicke in das modulare Partnerschaftsmodell Wasserstraße und das Partnerschaftsmodell Schiene bei der Anbindung der Festen Fehmarnbeltquerung. Fabian Hug und Carina Schlabach berichteten aus der Schweiz über die Birs Allianz: Ein abgestimmtes Referenzbausoll ist ebenso wichtig wie klare Rollen, geregelte Übergaben und ein verbindliches Onboarding für neue Teammitglieder.
Zusammenarbeit braucht klare Verantwortung
Oliver Bartz und Sascha Peter beschrieben das IPA-Projekt Universität Bielefeld als „Unternehmen auf Zeit“. Gemeinsame Ziele brauchen auch eine Organisation, in der Zuständigkeiten und Entscheidungswege feststehen. Beim Flucht- und Rettungsstollen Schmittentunnel, Abschnitt Nord, standen die Erfahrungen mit dem Allianzvertrag light im Mittelpunkt. Die Verbindung klassischer Vertragsbestandteile mit gemeinsam getragenen Risiken verlangt eine sorgfältige Abgrenzung; Vertrauen und das persönliche Bekenntnis zur Kooperation bleiben entscheidend.
Daniel Deutschmann ergänzte die vorgestellten Hilfestellungen um einen Ausblick auf das für Anfang 2027 angekündigte „Praxishandbuch Allianzverträge“.
Die Leitfrage der Podiumsdiskussion unter der Moderation von Konstantin Savov lautete „Partnerschaftsmodelle in der Praxis: Was funktioniert – und was muss sich noch ändern?“. Das Programm des zweiten Tages umfasste vier Workshops zu Open Books, zur praktischen Abwicklung von IPA- und ECI-Modellen sowie zur vergaberechtlichen Umsetzung von Allianzverträgen.
Das war 2025:
Allianzvertrag lessons learned: Verkürzung der Verfahrensdauer durch Reduktion der Verfahrensschritte
Am 23.10 wurde in der Sky Stage die 6.Jahreskonferenz „Partnerschaft mit Baupraxis“ von ÖBV und Heid &Partner als Mitveranstalter abgehalten. Diesmal wurden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Allianzmodelle im D-A-CH-Raum unter die Lupe genommen.
Alle Vortragenden und Podiumsteilnehmer der Partnerschaft mit Baupraxis 2026
In Österreich gibt es mit dem österr. Allianzmodell nur ein Vergabeverfahren mit einem Preiswettbewerb und einer Gewichtung <60%, das im Regelfall schneller und mit weniger Aufwand umzusetzen ist. In Deutschland sind es mehrere parallellaufende Vergabefahren für Planer und Ausführende mit Assessmentcentern und meistens ohne Preiswettberwerb. In der Schweiz werden mehrere parallele Vergabeverfahren für Planer und Ausführende mit Dialogrunden, teilweise mit Preiswettbewerb mit einer Gewichtung von <30% durchgeführt. Darüber hinaus wurden bei der 6.Jahresveranstaltung auch die Ergebnisse und Lessons Learned aus den Projekten mit Allianzvertrag in Österreich: ASFINAG-Landeckertunnel, ÖBB-Angath-Rohbaustollen, IPA in Deutschland: 13 Projekte der DB in den unterschiedlichsten Phasen und erste wichtige Meilenstein in der Schweiz bei der SSB und dem Abwasserverband vorgestellt.
v.l.n.r.: D.Deutschmann, J.Koch, M.Marti, J.Engel, J.D. Deix, W.Dittrich, M.Pauser
Allianzvertrag lessons learned: Verkürzung der Verfahrensdauer durch Reduktion der Verfahrensschritte
Bei der traditionellen Podiumsdiskussion, im Anschluss an die Vorträge, musste aufgrund der regen Diskussion die Dauer erheblich verlängert werden:
Wolfgang Dittrich (STRABAG): „Bei dem IPA-Modell in Deutschland kann der Ausführende früher Ideen einbringen.“
Dieter Deix (PORR):“Je früher der Ausführende beim Projekt eingebunden ist, desto besser für das Projekt.“ Wenn alles bereits vor der Vergabe geplant ist, kann der Ausführende nur mehr wenig einbringen.“
Judith Engel (ÖBB): „Wir werden am open Books festhalten anhand weiterer Projekte mit Allianzmodellen Erfahrungen darüber sammeln. ECI ist für uns nicht nicht denkbar.“
Mario Marti (KELLERHALS CARRARD, Schweiz): „Wenn die Ausführenden und Planer frühzeitig eingebunden sind, führt dies zum besten Ergebnis.“
Jörn Koch (AMPRION, Deutschland): „Wir machen keinen Mehrparteienvertrag, da dies zum Aufblähen der Gremien führt.“
Daniel Deutschmann (HEID&PARTNER): „Zentrale Punkte, die in der Praxis bei den Pilotprojekten immer wieder eine Diskussion verursacht haben, wie z.B. Verkürzung des Vergabeverfahrens oder open books, wird man im überarbeiteten ÖBV-Merkblatt mit geplantem Erscheinungsdatum Frühjahr 2026 unter anderem finden können.“
Podiumsdiskussion: Allianzen, IPA und ECI: Aktuelles aus dem D-A-CH-Raum
Das war 2024:
Weg von zeitintensiven Pilotprojekten!
Die Österreichische Bautechnik Vereinigung veranstaltete mit Heid & Partner, in der Sky Stage in Wien, ihre fünfte Jahresveranstaltung PARTNERSCHAFT MIT BAUPRAXIS (P&B). Dabei wurde der Ruf lauter, weg von zeitintensiven Pilotprojekten und hin zu standardisierten. Im ersten Schritt dazu sollten praktikable Modelle ausgearbeitet werden.
2024 gab es zu den Partnerschaftsverträgen nicht nur aus Österreich und Deutschland, sondern erstmals auch aus der Schweiz zu berichten. Nach der Herausgabe im August 2024 des Schweizer Merkblatts „Planen und Bauen mit Projektallianzen“ durch den Schweizer Ingenieur – und Architektenverein, fängt es nun für die Schweizer Bauherrn an, Pilotprojekte zu betreiben. Die Bau-und Umweltschutzdirektion wendet in der Erneuerung der ARA Birs das Allianzmodell erstmals in der Schweiz an und auch die Schweizer Bundesbahnen melden bereits Interesse an. Bei der P&B 2025 wird es dazu ein update aus der Schweiz geben.
Die Deutsche Bahn hat derzeit elf Projekte mit IPA. Davon ist das neue Werk Cottbus mit 1,5 Milliarde Euro in der Ausführungsphase. Die erste Halle ist mit 5% unter dem Zielpreis bereits in Betrieb genommen. Dabei gab es:
- eine offene Fehlerkultur und die Bereitschaft Hilfe zu erbitten
- laufende Optimierung während des Baufortschritts
- das Anreizsystem der Vergütung
- Eigenleistungstiefe und Netzwerk-Ressourcen.
- Wir üben derzeit noch. Ziel sollte eine Weiterentwicklung von Piloten zu Standards sein.
- Das österreichische Allianzmodell mit reduziert gewichtetem Preiswettbewerb hat sich bewährt
- Der Idealzustand “Partnerschaftlichkeit“ ist ein Lernprozess für alle Beteiligten und wird noch andauern.
Christina Rebernik, ÖBB-Infra: „Mit dem Pilotprojekt Angath haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Intern hört man nichts darüber! Ein Zeichen, dass es gut läuft!“
Gudrun Senk, Wiener Linien: „Für die 2.Baustufe U2-U5 wird ein ECI-Model überlegt und geprüft werden.“
Peter Krammer, Swietelsky: „Ein gemeinsames Erfassen des Projektes und ein Risikotopf-Sharing ist essenziell.“
Klaus Mitteregger, TIWAG: „Die ersten Erfahrungen müssen nicht anhand eines kleinen Allianzprojekts sein, denn bei einem großen gibt es viel bessere Ergebnisse.“
Mario Marti, RA Kellerhals Carrard: „Dieser frische Wind aus Österreich und Deutschland betreffend Allianzmodellen muss in der Schweiz bei den Juristen und Controllern erst einziehen.“

